Cybersicherheit als Standortfaktor: Warum 2026 entscheidend wird

Cybersicherheit ist längst kein reines IT-Thema mehr, sondern ein strategischer Standortfaktor – für Unternehmen, öffentliche Verwaltung und kritische Infrastrukturen. Das Protokoll der Bundesfachkommission Cybersicherheit vom 26. Januar 2026 zeigt deutlich: Die Bedrohungslage wird ernster, die Abhängigkeiten in Technologie und Lieferketten bleiben hoch, und gleichzeitig wachsen die Erwartungen an praxistaugliche Regulierung sowie an eine umsetzbare Sicherheitsarchitektur.
Die Sitzung fand in Berlin statt und brachte politische, strategische und technische Perspektiven zusammen – mit einem klaren Tenor: Resilienz entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch abgestimmtes Handeln zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Für die GRAEF Gruppe ist dieser Kontext relevant, weil moderne Sicherheitslösungen (physisch wie digital) immer stärker ineinandergreifen: Videotechnik, Zutrittskontrolle, Netzwerke, Cloud‑Services und Betriebsprozesse müssen gemeinsam gedacht werden.
NIS2 und nationale Sicherheitsarchitektur: Zuständigkeiten klären, Lagebild schaffen
Ein zentrales Thema war die Umsetzung von NIS2 und der Schutz kritischer Infrastrukturen. Dabei geht es nicht nur um neue Pflichten, sondern um die Frage, wie handlungsfähig Deutschland bei Angriffen wirklich ist.
„Kompetenzchaos“ überwinden und ein digitales Lagebild etablieren
Aus politischer Perspektive wurde betont, dass Cybersicherheit inzwischen im Zentrum der Debatte angekommen ist – gleichzeitig aber Zuständigkeiten und operative Abläufe oft zu fragmentiert sind. Entscheidend ist daher ein tagesaktuelles digitales Lagebild, das hilft, Angriffe schneller einzuordnen, Warnungen zielgerichtet zu verteilen und Maßnahmen zu koordinieren. Begleitend wurde auf ein Gesetzespaket zur Stärkung der Cyberabwehr hingewiesen, das u. a. Rollen von BKA, Bundespolizei und BSI adressieren soll.
Kritische Komponenten: Verhältnismäßigkeit und Sicherheitspriorität
Bei der Diskussion um kritische Komponenten und deren Behandlung im Rahmen der NIS2‑Umsetzung wurde deutlich: Die Abwägung zwischen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit bleibt komplex – im Zweifel soll jedoch die Sicherheit des Landes Vorrang haben, ohne die Verhältnismäßigkeit aus den Augen zu verlieren. Für Betreiber bedeutet das: Lieferanten- und Technologieentscheidungen werden stärker sicherheitsgetrieben – inklusive Dokumentation, Risikoanalyse und nachweisbarer Schutzmaßnahmen.
Von Strategie zu Umsetzung: Cyberdome, Detektion und ein offenes Ökosystem
Aus Sicht der Bundesregierung wurden aktuelle Vorhaben erläutert, die Cybersicherheit strategisch und operativ enger verzahnen sollen.
Neue Cybersicherheitsstrategie (CSS) mit Maßnahmenkatalog
Die geplante CSS soll zweiteilig aufgebaut sein: ein strategisches Dokument plus konkreter Maßnahmenkatalog. Der Mehrwert liegt in der Umsetzbarkeit: Ziele allein reichen nicht – Sicherheitsfähigkeit entsteht durch Budgets, Prioritäten, Rollen, Prozesse und messbare Fortschritte.
Projekt „Cyberdome“: Schutzschild mit drei Säulen
Ein besonders greifbares Vorhaben ist der Cyberdome, ein nationaler Schutzansatz, der auf drei Säulen basiert:
- Detektionsnetzwerk zur Erkennung von Angriffsvektoren
- Analyseverbund beim BSI zur systematischen Auswertung
- Offenes Ökosystem mit Informationen und Schnittstellen für Wirtschaft und Wissenschaft
Für Unternehmen ist dieser Ansatz interessant, weil er – richtig umgesetzt – die Grundlage für frühere Warnungen, bessere Lageinformationen und anschlussfähige Schnittstellen schaffen kann. Gleichzeitig wird deutlich: Technik alleine genügt nicht. Entscheidend ist, ob Informationen schnell, standardisiert und in verwertbarer Qualität in die Organisationen gelangen.
Rolle des BSI: Stärkung, Cloud‑Praxis und operative Zusammenarbeit
Auch die Rolle des BSI wurde eingeordnet – mit Fokus auf Zusammenarbeit, neue Verantwortlichkeiten und pragmatische Lernkurven.
Zusammenarbeit ist der Hebel – nicht nur Zuständigkeiten
Das viel kritisierte „Wimmelbild“ der Akteure wurde weniger als reines Zuständigkeitsproblem beschrieben, sondern als Frage gelebter Kooperation. Das ist eine wichtige Erkenntnis: Selbst gute Strukturen scheitern, wenn Austausch, Standards und operative Routinen fehlen.
Cloud‑Nutzung und digitale Souveränität: Lernen durch Praxis
Bemerkenswert ist der Hinweis, dass das BSI praktische Erfahrung mit Public‑Cloud‑Lösungen sammeln müsse. Die Nutzung einer Cloud‑Plattform für ein Portalprojekt wurde explizit als Schritt gesehen, um reale Erkenntnisse zu gewinnen – auch wenn das intern und extern diskutiert wird. Für die Praxis bedeutet das: Digitale Souveränität wird nicht nur über „Cloud ja/nein“ entschieden, sondern über Kontrollmechanismen, Sicherheitsarchitekturen, Auditierbarkeit und Governance.
Resilienz braucht Menschen: Bildung, Kompetenzen und Verantwortung
Ein weiterer Schwerpunkt war der Faktor Mensch – denn Sicherheitsarchitektur steht und fällt mit Fähigkeiten, Verhalten und Verantwortlichkeiten.
Digitale Bildung als „harter Sicherheitsfaktor“
Resilienz entsteht nicht erst im Angriff, sondern langfristig: Medienkompetenz, Selbstregulation und ein bewusster Umgang mit digitalen Risiken wurden als Grundlagen genannt. Ergänzend wurde betont, dass Lehrkräfte gestärkt und Programme zur digitalen Bildung konsequent weiterentwickelt werden müssen. Für Unternehmen bedeutet das spiegelbildlich: Awareness‑Programme, Übungen und klare Verantwortlichkeiten sind keine „nice to have“, sondern elementare Sicherheitsbausteine.
Regelmäßige Übungen und Mentalitätswandel
Der wiederkehrende Appell: „wach werden“ – als Gesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Regelmäßige Übungen, präventive Maßnahmen und klare Abläufe helfen, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben und Schäden zu begrenzen.




